FLUKE MET/CAL Grundlagen
Nachschlagewerk für MET/CAL-Anwender: die wichtigsten Befehle und Funktionen der MET/CAL-Software, mit Erklärungen, Parametern und praktischen Beispielen – als Einstieg in die Erstellung und Anpassung von Kalibrierprozeduren.
Was ist ein FSC?
FSCs (Function Selection Codes) sind das Herzstück der MET/CAL-Software. Sie ermöglichen die effiziente Automatisierung von Kalibrierprozessen, schaffen standardisierte Abläufe und gewährleisten dabei höchste Präzision und Nachvollziehbarkeit.
Eine Kalibrierung besteht im Kern aus drei Schritten: Standard definieren, Messung durchführen und Ergebnis auswerten. Genau diese Schritte bilden FSCs digital ab.
Hauptkategorien der FSCs
- Standard definieren – Referenzgeräte definieren und konfigurieren; Grundlage für Messung und Toleranzauswertung.
STD, ACC, 5520, 5522A - Messung durchführen – Interaktion mit dem Bediener und Steuerung des Ablaufs.
DISP, HEAD, MEMI, MEM2, OPBR, WAIT - Mess- und Ablaufeinstellungen – globale und lokale Parameter (Messwiederholungen, Toleranzen, Guardbanding).
ASK+, ASK-, VSET, TSET - Ablaufsteuerungen – bedingte Ausführung, Sprünge, Zielmarken.
IF, ELSE, ENDIF, JMPL, LABEL - Funktionen – Verarbeitung von Zeichenketten und Werten.
FIND(), FLD() - Auswertung – Bedingungen, Messwerte und Toleranzen bewerten.
EVAL, PICE, MEMC, MEMCX, RSLT
Weiterführende Grundlagen findest du in der Kategorie Referenz: Variablen und Register, Präfixe und Units sowie das TOLERANCE-Feld.
1. Standard definieren
1.1 STD – Standard definieren
Definiert einen Alias für ein Referenzinstrument. Der Alias wird in der Instrumentenkonfiguration einer realen Geräte-ID zugeordnet und im Kalibrierschein als verwendeter Standard angegeben.
- Syntax:
STD [Alias] - Hinweise: vorzugsweise am Anfang der Prozedur; Alias ist case-sensitive; bleibt die Geräte-ID in der Konfiguration leer, wird sie bei jedem Lauf abgefragt.
- Beispiel:
STD MultimeterStandard
1.2 ACC – Systemgenauigkeit und Toleranz
Definiert Systemgenauigkeit und Toleranz eines Sollwerts. Der Nominalwert wird in MEM1 gespeichert.
- Syntax:
ACC [Range] [Nominalwert] [Toleranz] [Modifier] - Parameter: Range (Messbereich), Nominalwert (z. B. 10.0V), Toleranz (z. B. 1%, 0.05U oder TOL), Modifier (z. B. 50H).
- Beispiel:
ACC 100 10.0V 1%– Bereich ±100V, Sollwert 10.0V, Toleranz ±1%.
1.3 5520 – Instrumenten-FSC (alte Generation)
Der 5520 FSC steuert den Fluke 5520A Kalibrator und kombiniert Standarddefinition, Messung und Auswertung in einem Schritt.
- Setup-Modus (MOD4 = S): stellt nur den Wert bereit (wie STD/ACC). Beispiel:
5520 10.00V S - Vollmodus: Sollwert bereitstellen, messen, gegen Toleranz auswerten. Beispiel:
5520 10.00V 1% 0.01U
| Feld | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| RANGE | Messbereich; fehlt die Angabe, gilt ein Standardbereich. | 600, 6 |
| NOMINAL | Sollwert, den der Kalibrator ausgibt. | 10.00V |
| TOLERANCE | Toleranz für die Auswertung (% und U). | 2.0% 0.3U |
| MOD1 | Frequenz/Spannung/Strom bei AC. | 50H |
| MOD2 | Wellenform, Thermoelement- oder RTD-Typ. | SI, _K, R1 |
| MOD3 | Zusätzliche Betriebsmodi (High Current, TC). | HC, TC, SC |
| MOD4 | Art des Tests (z. B. Setup-Modus). | S, N |
| CON | Anschlusskonfiguration (2-/4-Draht). | 2W, 4W, DV |
Weitere Beispiele:
5520 600 600.0mV 2.0% 0.3U– 600.0mV im Bereich 600mV.5520 6 6.000V 2.0% 0.003U 50H SI– 6.000V-Sinus mit 50Hz.5520 10 10.00A 0.4% 0.02U HC– 10.00A mit High-Current-Ausgang.5520 600 600.0Z 0.9% 0.2U 4W– 600,0 Ω im 4-Draht-Modus.
1.4 5522A – Instrumenten-FSC (neue Generation)
Der 5522A FSC steuert den Fluke 5522A Calibrator ausschließlich im Setup-Modus. Parameter lassen sich über mehrere Zeilen verteilen. Er benötigt kein STD/ACC; Messsteuerung und Auswertung automatisiert er nicht.
Parameter: Evaluation Quantity (+), Modifier Quantity (@), Mode (z. B. DC_Voltage, AC_Current, Resistance), CON (2W, 4W, L2W).
Einzeilig:
1.001 5522A Mode = AC_Voltage; +Volt = 240 V; @Freq = 50 Hz; Apply
Mehrzeilig (gleiche Zeilennummer hält den Zusammenhang):
1.001 5522A Apply
1.001 5522A Mode = AC_Voltage
1.001 5522A +Volt = 240 V
1.001 5522A @Freq = 50 Hz
Mit Messwertabfrage und Auswertung:
1.001 5522A Mode = Resistance; +Resistance = 10.00 Ohm; CON = 4W; Apply
1.002 DISP Messleitungen fuer 4-Wire anschliessen.
1.003 MEMI Gemessenen Widerstandswert eingeben.
1.004 MEMCX 10.00Z 0.5%
| Befehl | Beschreibung |
|---|---|
| STD | Alias für ein Referenzinstrument. |
| ACC | Systemgenauigkeit und Toleranz eines Sollwerts. |
| 5520 | Kalibrator 5520: Standard, Messablauf, Auswertung. |
| 5522A | Kalibrator 5522A: Standarddefinition. |
Beispiel: siehe Artikel „Messschieber-Kalibrierung" in der Kategorie Beispiele.
2. Messung steuern
2.1 DISP – Informationen anzeigen
Zeigt Text in der Runtime an. DISP [Nachricht] – z. B. DISP Bitte Geraet anschliessen.
2.2 HEAD – Überschriften und Protokolltexte
Zeigt Überschriften an und speichert optional Protokolltext. Text in geschweiften Klammern wird nur protokolliert, Text außerhalb in der Runtime angezeigt.
2.3 MEMI – numerische Eingabe
Fragt einen numerischen Wert ab (Speicher MEM).
MEMI Wieviele Segmente sind im Display zu sehen?
DISP Es wurden [MEM] Segmente erkannt.
2.4 MEM2 – Zeichenkette
Fragt eine Zeichenkette ab (Speicher MEM2).
2.5 OPBR – Ja/Nein
Fragt eine Ja/Nein-Antwort ab, Ergebnis in MEM1 (1 = Ja, -1 = Nein).
2.6 WAIT – Wartezeiten
Fügt Wartezeiten oder Countdown-Timer ein, z. B. WAIT -t 0:01:00 Bitte warten...
2.a Mess- und Ablaufeinstellungen
VSET / TSET
Definiert globale (VSET) bzw. lokale (TSET) Parameter. Wichtig: NMEAS (Messwiederholungen), GB (Guardbanding, z. B. MU), UUT_RES (Auflösung des Prüflings).
VSET NMEAS = 10
VSET GB = MU
TSET UUT_RES = 0.01
ASK+ / ASK-
Schaltet Runtime-Optionen ein/aus: A (automatische Abarbeitung), F (Übersicht nur bei Fehlern), R (Bereichsmeldungen aus), V (Verbindungsstatus aus), K (manuelle Tastatureingabe).
Beispiel: siehe Artikel „Messwiederholungen und Bedienereinstellungen".
2.b Ablaufsteuerungen
IF / ELSEIF / ELSE / ENDIF
Bedingte Abläufe; jede IF-Struktur endet mit ENDIF. Vergleiche: ==, !=, größer, kleiner, größer-gleich, kleiner-gleich.
MEMI Bitte einen Wert eingeben.
IF MEM == 1
DISP Wert ist 1.
ELSEIF MEM == 2
DISP Wert ist 2.
ELSE
DISP Wert ist weder 1 noch 2.
ENDIF
LABEL / JMPL
LABEL [Name] definiert eine Sprungmarke (case-sensitive); JMPL [Label] springt – bedingt oder bedingungslos – dorthin.
Beispiel: siehe Artikel „LABEL und JMPL mit IF".
2.c Funktionen
FIND()
Durchsucht eine Zeichenkette und gibt die Position des ersten Vorkommens zurück: FIND([Variable], [Suchtext], [Startposition]).
FLD()
Extrahiert ein Feld anhand eines Separators: FLD([Variable], [Feldnummer], [Separator]).
MEM2 = "Pruefung 1 abgeschlossen"
MATH MEM = FLD(MEM2, 2, " ")
DISP Das zweite Feld ist: [MEM]
Beispiel: siehe Artikel „Unterprozeduren mit Pseudo-Treiber-Technik".
3. Auswertung
Befehle zur Analyse von Bedingungen und Messergebnissen – kombinierbar mit IF, JMPL oder DISP.
3.1 EVAL
Bewertet Bedingungen, Ergebnis in MEM1 (1 = PASS, -1 = FAIL).
MEMI Bitte den Messwert eingeben.
EVAL -e MEM >= 9 : Wert ist innerhalb der Spezifikation.
3.2 PICE
Zeigt ein Bild und lässt den Benutzer bewerten (MEM1: 1 = Ja, -1 = Nein). Bilder müssen als Items im Projekt vorhanden sein.
3.3 MEMC / 3.4 MEMCX
Vergleicht Prüf- und Standardwert gegen eine Toleranz. Bei MEMC liegt der Prüfwert in MEM1, der Standard in MEM; bei MEMCX ist es umgekehrt.
| Befehl | Prüfwert | Standardwert | Anwendung |
|---|---|---|---|
| MEMC | MEM1 | MEM | Nominalkalibrierung (Festwiderstand mit Referenzmultimeter) |
| MEMCX | MEM | MEM1 | Kalibratorvorgabe am Anzeigegerät |
3.5 RSLT
Speichert Ergebnisse/Kommentare im Protokoll. Ohne = öffnet die Runtime eine Eingabebox.
MEMI Wieviele Segmente sind im Display zu sehen?
RSLT = Anzahl angezeigter Segmente: [MEM]
Beispiel: siehe Artikel „Abfragen mit EVAL und PICE".
