FLUKE MET/CAL Grundlagen

adminZuletzt aktualisiert: 15.06.2026
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Nachschlagewerk für MET/CAL-Anwender: die wichtigsten Befehle und Funktionen der MET/CAL-Software, mit Erklärungen, Parametern und praktischen Beispielen – als Einstieg in die Erstellung und Anpassung von Kalibrierprozeduren.

Was ist ein FSC?

FSCs (Function Selection Codes) sind das Herzstück der MET/CAL-Software. Sie ermöglichen die effiziente Automatisierung von Kalibrierprozessen, schaffen standardisierte Abläufe und gewährleisten dabei höchste Präzision und Nachvollziehbarkeit.

Eine Kalibrierung besteht im Kern aus drei Schritten: Standard definieren, Messung durchführen und Ergebnis auswerten. Genau diese Schritte bilden FSCs digital ab.

Hauptkategorien der FSCs

  • Standard definieren – Referenzgeräte definieren und konfigurieren; Grundlage für Messung und Toleranzauswertung. STD, ACC, 5520, 5522A
  • Messung durchführen – Interaktion mit dem Bediener und Steuerung des Ablaufs. DISP, HEAD, MEMI, MEM2, OPBR, WAIT
  • Mess- und Ablaufeinstellungen – globale und lokale Parameter (Messwiederholungen, Toleranzen, Guardbanding). ASK+, ASK-, VSET, TSET
  • Ablaufsteuerungen – bedingte Ausführung, Sprünge, Zielmarken. IF, ELSE, ENDIF, JMPL, LABEL
  • Funktionen – Verarbeitung von Zeichenketten und Werten. FIND(), FLD()
  • Auswertung – Bedingungen, Messwerte und Toleranzen bewerten. EVAL, PICE, MEMC, MEMCX, RSLT

Weiterführende Grundlagen findest du in der Kategorie Referenz: Variablen und Register, Präfixe und Units sowie das TOLERANCE-Feld.


1. Standard definieren

1.1 STD – Standard definieren

Definiert einen Alias für ein Referenzinstrument. Der Alias wird in der Instrumentenkonfiguration einer realen Geräte-ID zugeordnet und im Kalibrierschein als verwendeter Standard angegeben.

  • Syntax: STD [Alias]
  • Hinweise: vorzugsweise am Anfang der Prozedur; Alias ist case-sensitive; bleibt die Geräte-ID in der Konfiguration leer, wird sie bei jedem Lauf abgefragt.
  • Beispiel: STD MultimeterStandard

1.2 ACC – Systemgenauigkeit und Toleranz

Definiert Systemgenauigkeit und Toleranz eines Sollwerts. Der Nominalwert wird in MEM1 gespeichert.

  • Syntax: ACC [Range] [Nominalwert] [Toleranz] [Modifier]
  • Parameter: Range (Messbereich), Nominalwert (z. B. 10.0V), Toleranz (z. B. 1%, 0.05U oder TOL), Modifier (z. B. 50H).
  • Beispiel: ACC 100 10.0V 1% – Bereich ±100V, Sollwert 10.0V, Toleranz ±1%.

1.3 5520 – Instrumenten-FSC (alte Generation)

Der 5520 FSC steuert den Fluke 5520A Kalibrator und kombiniert Standarddefinition, Messung und Auswertung in einem Schritt.

  • Setup-Modus (MOD4 = S): stellt nur den Wert bereit (wie STD/ACC). Beispiel: 5520 10.00V S
  • Vollmodus: Sollwert bereitstellen, messen, gegen Toleranz auswerten. Beispiel: 5520 10.00V 1% 0.01U
Feld Beschreibung Beispiel
RANGE Messbereich; fehlt die Angabe, gilt ein Standardbereich. 600, 6
NOMINAL Sollwert, den der Kalibrator ausgibt. 10.00V
TOLERANCE Toleranz für die Auswertung (% und U). 2.0% 0.3U
MOD1 Frequenz/Spannung/Strom bei AC. 50H
MOD2 Wellenform, Thermoelement- oder RTD-Typ. SI, _K, R1
MOD3 Zusätzliche Betriebsmodi (High Current, TC). HC, TC, SC
MOD4 Art des Tests (z. B. Setup-Modus). S, N
CON Anschlusskonfiguration (2-/4-Draht). 2W, 4W, DV

Weitere Beispiele:

  • 5520 600 600.0mV 2.0% 0.3U – 600.0mV im Bereich 600mV.
  • 5520 6 6.000V 2.0% 0.003U 50H SI – 6.000V-Sinus mit 50Hz.
  • 5520 10 10.00A 0.4% 0.02U HC – 10.00A mit High-Current-Ausgang.
  • 5520 600 600.0Z 0.9% 0.2U 4W – 600,0 Ω im 4-Draht-Modus.

1.4 5522A – Instrumenten-FSC (neue Generation)

Der 5522A FSC steuert den Fluke 5522A Calibrator ausschließlich im Setup-Modus. Parameter lassen sich über mehrere Zeilen verteilen. Er benötigt kein STD/ACC; Messsteuerung und Auswertung automatisiert er nicht.

Parameter: Evaluation Quantity (+), Modifier Quantity (@), Mode (z. B. DC_Voltage, AC_Current, Resistance), CON (2W, 4W, L2W).

Einzeilig:

1.001 5522A Mode = AC_Voltage; +Volt = 240 V; @Freq = 50 Hz; Apply

Mehrzeilig (gleiche Zeilennummer hält den Zusammenhang):

1.001 5522A Apply
1.001 5522A Mode = AC_Voltage
1.001 5522A +Volt = 240 V
1.001 5522A @Freq = 50 Hz

Mit Messwertabfrage und Auswertung:

1.001  5522A  Mode = Resistance; +Resistance = 10.00 Ohm; CON = 4W; Apply
1.002  DISP   Messleitungen fuer 4-Wire anschliessen.
1.003  MEMI   Gemessenen Widerstandswert eingeben.
1.004  MEMCX  10.00Z 0.5%
Befehl Beschreibung
STD Alias für ein Referenzinstrument.
ACC Systemgenauigkeit und Toleranz eines Sollwerts.
5520 Kalibrator 5520: Standard, Messablauf, Auswertung.
5522A Kalibrator 5522A: Standarddefinition.

Beispiel: siehe Artikel „Messschieber-Kalibrierung" in der Kategorie Beispiele.


2. Messung steuern

2.1 DISP – Informationen anzeigen

Zeigt Text in der Runtime an. DISP [Nachricht] – z. B. DISP Bitte Geraet anschliessen.

2.2 HEAD – Überschriften und Protokolltexte

Zeigt Überschriften an und speichert optional Protokolltext. Text in geschweiften Klammern wird nur protokolliert, Text außerhalb in der Runtime angezeigt.

2.3 MEMI – numerische Eingabe

Fragt einen numerischen Wert ab (Speicher MEM).

MEMI Wieviele Segmente sind im Display zu sehen?
DISP Es wurden [MEM] Segmente erkannt.

2.4 MEM2 – Zeichenkette

Fragt eine Zeichenkette ab (Speicher MEM2).

2.5 OPBR – Ja/Nein

Fragt eine Ja/Nein-Antwort ab, Ergebnis in MEM1 (1 = Ja, -1 = Nein).

2.6 WAIT – Wartezeiten

Fügt Wartezeiten oder Countdown-Timer ein, z. B. WAIT -t 0:01:00 Bitte warten...


2.a Mess- und Ablaufeinstellungen

VSET / TSET

Definiert globale (VSET) bzw. lokale (TSET) Parameter. Wichtig: NMEAS (Messwiederholungen), GB (Guardbanding, z. B. MU), UUT_RES (Auflösung des Prüflings).

VSET NMEAS = 10
VSET GB = MU
TSET UUT_RES = 0.01

ASK+ / ASK-

Schaltet Runtime-Optionen ein/aus: A (automatische Abarbeitung), F (Übersicht nur bei Fehlern), R (Bereichsmeldungen aus), V (Verbindungsstatus aus), K (manuelle Tastatureingabe).

Beispiel: siehe Artikel „Messwiederholungen und Bedienereinstellungen".


2.b Ablaufsteuerungen

IF / ELSEIF / ELSE / ENDIF

Bedingte Abläufe; jede IF-Struktur endet mit ENDIF. Vergleiche: ==, !=, größer, kleiner, größer-gleich, kleiner-gleich.

MEMI Bitte einen Wert eingeben.
IF MEM == 1
  DISP Wert ist 1.
ELSEIF MEM == 2
  DISP Wert ist 2.
ELSE
  DISP Wert ist weder 1 noch 2.
ENDIF

LABEL / JMPL

LABEL [Name] definiert eine Sprungmarke (case-sensitive); JMPL [Label] springt – bedingt oder bedingungslos – dorthin.

Beispiel: siehe Artikel „LABEL und JMPL mit IF".


2.c Funktionen

FIND()

Durchsucht eine Zeichenkette und gibt die Position des ersten Vorkommens zurück: FIND([Variable], [Suchtext], [Startposition]).

FLD()

Extrahiert ein Feld anhand eines Separators: FLD([Variable], [Feldnummer], [Separator]).

MEM2 = "Pruefung 1 abgeschlossen"
MATH MEM = FLD(MEM2, 2, " ")
DISP Das zweite Feld ist: [MEM]

Beispiel: siehe Artikel „Unterprozeduren mit Pseudo-Treiber-Technik".


3. Auswertung

Befehle zur Analyse von Bedingungen und Messergebnissen – kombinierbar mit IF, JMPL oder DISP.

3.1 EVAL

Bewertet Bedingungen, Ergebnis in MEM1 (1 = PASS, -1 = FAIL).

MEMI Bitte den Messwert eingeben.
EVAL -e MEM >= 9 : Wert ist innerhalb der Spezifikation.

3.2 PICE

Zeigt ein Bild und lässt den Benutzer bewerten (MEM1: 1 = Ja, -1 = Nein). Bilder müssen als Items im Projekt vorhanden sein.

3.3 MEMC / 3.4 MEMCX

Vergleicht Prüf- und Standardwert gegen eine Toleranz. Bei MEMC liegt der Prüfwert in MEM1, der Standard in MEM; bei MEMCX ist es umgekehrt.

Befehl Prüfwert Standardwert Anwendung
MEMC MEM1 MEM Nominalkalibrierung (Festwiderstand mit Referenzmultimeter)
MEMCX MEM MEM1 Kalibratorvorgabe am Anzeigegerät

3.5 RSLT

Speichert Ergebnisse/Kommentare im Protokoll. Ohne = öffnet die Runtime eine Eingabebox.

MEMI Wieviele Segmente sind im Display zu sehen?
RSLT = Anzahl angezeigter Segmente: [MEM]

Beispiel: siehe Artikel „Abfragen mit EVAL und PICE".